Der Wolkenmann

Der Katalog Erste Gesamtausgestellung der Werke von Fidus verzeichnet drei Versionen des Motivs Wolkenmann in der Kategorie Stimmungsbilder.

Der Wolkenmann, 1893.
Der Wolkenmann, 1893 (Bild: Daulton Collection).

Die früheste Version, eine "Tonzeichnung (hier öllasierte Photokopie)" ist mit 1893 datiert (Nr. 521). Möglicherweise handelt es sich um die Fassung, die vom Frankfurter Industriellen und Mäzen Eugen Lucius von Fidus erworben wurde. Im gleichen Jahr ist Der Wolkenmann in der Zeitschrift *Sphinx* als ganzseitige Bildbeilage veröffentlicht worden. Als doppelseitige Bildbeilage ist *Der Wolkenmann* 1896 im ersten Jahrgang der Zeitschrift *Jugend* veröffentlicht worden. Sie war zudem Teil einer Mappe mit Illustrationen, die in der Zeitschrift erschienen waren, und erschien als Postkarte der *Jugend*.

Der Wolkenmann, 1899.
Der Wolkenmann, 1899 (Bild: Ketterer Kunst).

Eine farbige Zeichnung mit Pastellkreiden über Aquarell, die 1899 datiert ist und 2002 auf einer Auktion von Ketter Kunst verkauft wurde, dürfte die Vorzeichnung für das Bild sein, dass Fidus Anfang 1900 für Hugo Landauer fertigstellte. 1901 wurde das Motiv als Gummidruck in der Ausstellung *Die Kunst im Lebens des Kindes* in der Abteilung "Künstlersicher Wandschmuck“ gezeigt. Im Jahr darauf, also fast ein Jahrzent nach der ersten Zeichnung, war *Der Wolkenmann* Teil der Mappe Naturkinder.

Vexierbild

Auch wenn es sich nicht um ein richtiges Vexierbild handelt, also ein Suchbild, das mit der Mehrdeutigkeit von Formen beziehungsweise dem Umkippen von einer Form in eine andere spielt, kann der *Der Wolkenmann* als Bildtäuschung verstanden werden oder vielmehr der Thematisierung von Bildtäuschungen.

Der Wolkenmann, 1893.
Der Wolkenmann, 1893.
Wo ist die Nachtwandlerin?, 1899.
Wo ist die Nachtwandlerin?, 1899.

Aus dem Begleitext zu der insgesamt 10 Blätter umfassenden Sammlung *Naturkinder* geht hervor, dass Bildtäuschungen er Kunstauffassung von Fidus eigentlich zuwiderlaufen und deshalb sein Vexierbild gewissermassen die Lösung verrät. Er postuliert:

Was nicht sichtbar geworden ist, kann als Bildwerk nicht zur Seele sprechen, und was nicht durch eine blosse klare Erscheinung verständlich wurde, geht die schauende Seele nichts an. Hintergedanken sind sündhaft!"

Und:

Wo nun kein "Verständnis" erzielt wird, da ist entweder die sichtbare Deutlichkeit der Darstellung nicht erreicht worden, sei es, dass der Künstler in seiner Seele trübe oder in seinem Wissen verworren (und damit auch in seinem Können beschränkt) war - oder der Schauende war blind, verblendet durch Voraussetzungen.
  1. Erste Gesamtausstellung der Werke von Fidus, S. 32.
  2. Die Sammlung von Eugen Lucius wurde 2013 vom Berliner Auktionhaus Griesebach versteigert. Das Blatt Wolkenmann befindet sich heute in der Daulton Collection (Online).
  3. Sphinx, 17. Jahrg., November 1893, Nr. 93, zwischen S. 340 und 341 (Online).
  4. Jugend, 1. Jahrg., 25. Januar 1896, Nr. 4, S. 61-62 (Online).
  5. Ketterer Kunst, 265, Moderne und Gegenwart, 23. März 2002, Lot 78 (Online). Zum Bild für Hugo Landauer: Gustav Landauer, Briefe und Tagebücher 1884-1900. Band 1: Briefe und Tagebücher, hrsg. und kommentiert von Christoph Knüppel, Anm. 335, S. 1235 f.
  6. Die Kunst im Lebens des Kindes. Künstlerischer Wandschmuck für Schule und Haus, Bilderbücher, das Kind als Künstler, Leipzig und Berlin [1901], S. 33 (Online).
  7. Blatt 9.

Letzte Änderung: 6. März 2020.